„Bestandsräumung von Nutz­tie­ren“ erspart doch nur das Leiden. O wie schön!

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Das Tier­schutz­ge­setz erlaubt sogenannte „Bestandsräumungen“ – so werden Massentötungen im Verwaltungsrecht genannt – nicht ohne »ver­nünf­ti­gen Grund«. Unwirtschaftlichkeit als vernünftiger Grund, Tiere zu töten oder ihnen Leid zuzufügen reicht dafür eigentlich nicht aus. Vorgeschrieben ist eine tiergerechte Haltung.

Die Min­dest­vor­ga­ben für die art­ge­rech­te Hal­tung legt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft und ihre Ministerin Julia Klöckner fest. Diese sind jedoch häufig so niedrig angesetzt, dass das Ergebnis mit artgerechter Haltung nichts mehr zu tun hat.

Der Strafrechtler Bült nennt im ZEIT-Interview (ZEIT vom 13.3.2019) als Beispiel die Kas­ten­stand­hal­tung in der Schwei­ne­zucht. Da­bei wer­den Mut­ter­sau­en über Mo­na­te in Käs­ten ein­ge­sperrt, die nur mi­ni­mal grö­ßer sind als sie selbst. Das führt bei den Tie­ren un­ter an­de­rem zu mas­si­vem Schlaf­man­gel. Schwei­ne er­rei­chen näm­lich wie wir Men­schen die Tief­schlaf­pha­se nur, wenn sie sich voll­stän­dig aus­stre­cken kön­nen. In der Kas­ten­stand­hal­tung ist das kaum mög­lich. Von »art­ge­recht« kann al­so kei­ne Re­de sein.

Selbst angezeigte Verstöße werden häufig nicht verfolgt. Bül­te nennt ein weiteres Beispiel, bei dem Fer­kel am Stall­bo­den tot­ge­schla­gen wurden.

Es hieß, die Tie­re sei­en nicht le­bens­fä­hig ge­we­sen. Mit­ar­bei­ter sag­ten aus, dass sie bei neu­ge­bo­re­nen Fer­keln so­fort »spür­ten«, ob sie über­le­bens­fä­hig sind. Statt nun den Auf­wand zu be­trei­ben, die­se schwä­che­ren Tie­re auf­zu­päp­peln, wur­den sie aus­sor­tiert und ge­tö­tet – mit der Be­grün­dung, ih­nen »Leid zu er­spa­ren«. Auf Film­auf­nah­men der Tier­schüt­zer konn­te man se­hen, wie die er­schla­ge­nen Fer­kel in ei­ne Ton­ne ge­wor­fen wur­den, ei­ni­ge zuck­ten noch.

Das Verfahren wurde eingestellt. Der Staats­an­walt kam zu dem Schluss, die Tö­tung ha­be den Tie­ren Leid er­spart.

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