Ein Bürgermeister silisiert sich als Naziopfer

Ein Bürgermeister silisiert sich zum Nazivergleichsopfer

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Der Karikaturist Buchegger weist im Schwäbischen Tagblatt vom 3. November auf eine Weichenstellung hin. Der Oberbürgermeister von Tübingen hat den Vorschlag gemacht, polizeibekannte und auffällige Flüchtlinge in sicheren Landeseinrichtungen unterzubringen.

Unterstellt Boris Palmer in diesem öffentlichen Beitrag auf Facebook dem Karikaturisten tatsächlich diese Auschwitzassoziation?

Die Weichen von Auschwitz haben mit Weichenstellung nichts und nochmal nichts zu tun. Die Gleise führen alle in den Tod. Wie muss ein Hirn ticken, dem bei dieser Karikatur so eine geschmacklose Assoziation entspringt?

 

Ein Kommentar

  1. Inzwischen hat der Oberbürgermeister seinen Text ergänzt:
    Facebookeintrag von Boris Palmer, zitiert am 4.11.2018 um 12.23:

    Nie wieder Auschwitz

    Weichen im Vordergrund. Gleise führen bis zum Horizont. Drohend erheben sich dort düstere Gebäude. Ein Lager ist erkennbar. Eine Fabrik. Das ist die Karikatur heute im Tagblatt. Die Assoziation mit Auschwitz drängt sich optisch unmittelbar auf. Die Bilder sind tief im kollektiven Gedächtnis. “Nie wieder Auschwitz” ist Teil des Gründungskonsenses der Bundesrepublik.

    Auch inhaltlich ergibt diese Betrachtung Sinn. Im Mittelpunkt steht ein Weichensteller, der offenbar Züge von Menschen in die eine oder andere Richtung schickt. Selektion an der Rampe.

    Karikiert werden soll damit mein Vorschlag des doppelten Spurwechsels. In der Tat schlage ich vor, dass Asylbewerber künftig verschieden behandelt werden sollen. Wer wiederholt straffällig wird, soll in Sicheren Landeseinrichtungen stärker unter Aufsicht gestellt werden und weniger Bewegungsfreiheit haben. Wer unsere Gesetze achtet und eine Arbeit annimmt, soll auch dann dauerhaft bleiben dürfen, wenn der Asylantrag abgelehnt wird. Dass es diese Unterscheidung bisher nicht gibt, finde ich allerdings auch sehr befremdlich. Wer stiehlt und schlägt, darf bleiben, wer arbeitet, muss gehen? Das ist für mich ein absurdes System.

    Nun kann man darüber selbstverständlich wie über jeden politischen Vorschlag streiten. Wie immer, wenn man Lösungen für das Problem massiver Kriminalitätsbelastung einer Gruppe männlicher junger Asylbewerber vorschlägt, muss man sich aber sofort des Vorwurfs erwehren, ein Rassist oder Nazi zu sein.

    In diesem Kontext ist die optische und inhaltlich zumindest im Subtext transportierte Botschaft der Tagblatt-Karikatur für mich zutiefst verstörend. Wer eine Wohnsitzauflage, Aufsicht und Sachleistungen in einer offenen Einrichtung in Baden-Württemberg in die Nähe von Auschwitz rückt, der verliert jedes Maß und macht eine sachliche Suche nach Lösungen unmöglich. Als Selektierer an der Rampe dargestellt zu werden, ist nicht einfach nur eine Karikatur, die man lachend weg legt.

    Mir haben Jugendliche als ich selbst jung war, Schläge angedroht und auf dem Rückzug nachgerufen, man habe nur vergessen, meinen Vater zu vergasen. Mein Großvater war Jude und die ganze Familie musste vor den Nazis fliehen. In dieser Weise dargestellt zu werden, ist für mich ungeheuerlich.

    Soll das wirklich nur Gedankenlosigkeit gewesen sein und keine Absicht? In beiden Fällen ist eine Klarstellung erforderlich.

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