Hatespeech – „geisteskranker Artikel“

Hatespeech – „geisteskranker Artikel“

In den meisten Fällen blockiere ich solche Profile sofort. Manchmal nicht. Dann bespreche ich solche Kommentare in meinem Blog. Das hier ist so ein Fall. Das entspricht im Wesentlichen auch dem, was Beratungsstellen zu Hasskommentaren empfehlen. gewaltfreieaktion

Ob du überhaupt reagieren solltest

  • Fachstellen raten, nicht jeden Hasskommentar direkt zu beantworten, sondern zuerst die eigene Sicherheit und emotionale Belastung im Blick zu haben. fachnetzflucht
  • Häufig ist „löschen, blockieren, melden“ die passende Reaktion – besonders bei klar beleidigenden oder hetzerischen Kommentaren. juslegal

Wann Gegenrede (#Counterspeech) sinnvoll ist

  • Gegenrede („Counterspeech“) ist vor allem dann sinnvoll, wenn du glaubst, dass stille Mitleser:innen etwas davon haben, nicht der ursprüngliche Hater. lpb-bw
  • Eine ruhige, sachliche Antwort mit klarer Haltung (keine Beschimpfung, kein Zurückbeleidigen) gilt als wirksamste Form der Gegenrede. hateaid

Beispiel: „so ein geisteskranker Artikel“

Kommentar auf FB zu meinem Post über Sandro Scheer AfD-MdL BaWü (post ganz unten)

Ein Steve Reinsberger schreibt:

„Wie kann man so einen Geisteskranken Artikel schreiben 🤦🏻 Vielleicht mal mit offenen Augen durchs Leben gehen und mal eine Schule besuchen. Da sie man nur Migranten. Da sollten bei jedem die Alarmglocken läuten!“

Hatespeech – „geisteskranker Artikel“

Mögliche Antwort:

Lieber Steve Reinsberger, Menschen, die anders sehen und fühlen und die du ganz offensichtlich mit der Wortwahl  „geisteskrank“ herabzuwürdigen versuchst, sehen oft mehr und besser als Menschen, die mit aufgerissenen Augen durch die Welt laufen und trotzdem nichts sehen, weil sie zwischen Scheuklappen eingequetscht sind.

***

Erläuterung

Bei Antworten besteht die Gefahr, dass man die für eine  Beleidigung  benutzte Wortwahl übernimmt und dann latent bestätigt.

Worauf es bei der Antwort ankommt

  • Verschiebe den Fokus klar weg von „Geisteskranke“ als Eigenschaft und hin zu „Menschen, die anders sehen und fühlen“ – damit holst du die von ihm Angesprochenen aus der Abwertung heraus und machst sie zu Subjekten mit Perspektive und Wert.
  • Durch „die du ganz offensichtlich mit der Wortwahl ‚Geisteskranke‘ herabzuwürdigen versuchst“ wird klar markiert: Das Problem ist der Sprachgebrauch, nicht diese Menschen – das ist politisch und ethisch sehr sauber und benennt den Angriff als das, was er ist.

Hier zwei weitere Antwortalternativen, die das verhindern.

Variante 1

„Krank zu sein entwürdigt niemanden. Entwürdigend ist nur dein Versuch, Krankheit als Beleidigung zu benutzen.“

Variante 2

„Psychische Erkrankung ist keine Beleidigung. Dein Spott sagt mehr über dich aus als über die Menschen, die du treffen willst.“

***

Falsch wäre es, in der Antwort den Begriff „geisteskrank“ als akzeptable Form der Beleidigung aufzunehmen und damit in der Diskussion zu halten.

*****

Das ist der Post des Anstoßes, den Steve Reinsberger kommentiert:

Wer AfD wählt, bekommt Abgeordnete wie Sandro Scheer. 

In einem Posting der Facebook‑Seite „AfD Freunde Beckum“, einem AfD‑nahen Politik‑Blog, wird eine Karte gezeigt auf der die angebliche Anzahl von Kindern mit Migrationshintergrund in Deutschland gezeigt wird.

Darunter steht der Kommentar:

„Und es wird sogar noch schlimmer, wenn nicht endlich gegengesteuert wird, bevor wir unser Land nicht mehr wieder erkennen.
Stärkung der traditionellen deutschen Familie und Remigration, millionenfach. Damit Deutschland das Land der Deutschen bleibt!
Nur noch AfD. “

Sandro Scheer, MdL Baden-Württemberg teilt ebenfalls diese Karte und ergänzt:

„Die Deutschen werden zu einer Minderheit im eigenen Land.“

Mein Kommentar dazu:

Bitte verschließt eure Augen nicht und wählt solche Menschen nicht in unseren Landtag!!!

Diese Karte zeigt nur, wie viele Kinder in deutschen Städten einen sogenannten „Migrationshintergrund“ haben – also z.B. ein ausländisches Elternteil. Viele von ihnen sind hier geboren, haben einen deutschen Pass, sprechen Deutsch und sind ganz einfach: unsere Kinder.

AfD‑Politiker machen daraus die Behauptung, „die Deutschen würden zur Minderheit im eigenen Land“ und fordern „Remigration, millionenfach“. Damit erklären sie Millionen Menschen pauschal zu Fremden und Bedrohungen – nur wegen ihrer Herkunft oder ihrer Eltern.

Wer solche Bilder teilt, will nicht Lösungen für Kitas, Schulen oder Wohnungen, sondern Angst schüren und die Gesellschaft spalten. 

Dazu kommt: Wer sich auf die Zahlendiskussion einlässt, läuft Gefahr, die Grundrechte, die jedem Menschen zustehen,  unabhängig von der Herkunft zur Diskussion und in letztendlich Frage zu stellen.

Frag dich vor der Wahl: Willst du wirklich von Politikern vertreten werden, die Kinder in Deutschland als „Problem“ markieren – oder von Parteien, die alle hier lebenden Menschen im Blick haben?

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