Meer aus Ideologie? Wie Dr. Malte Kaufmann (AfD) die DLRG diffamiert

Meer aus Ideologie? Wie Dr. Malte Kaufmann (AfD) die DLRG diffamiert

Der nett und bieder auftretende AfD-Bundestagsabgeordnete Dr. Malte Kaufmann (Wohnort: Wahlkreis Heidelberg) regt sich darüber auf, dass der DLRG-Verband führende AfD-Mitglieder nicht in seinen Reihen haben will.

Er schreibt:

„Ehrenamtliche Helfer, die Ertrinkende aus Wellen ziehen, werden nun selbst ertränkt – in einem Meer aus Ideologie! Der DLRG-Landesverband Württemberg schließt AfD-Mitglieder pauschal aus.“
Er fordert den Stopp aller Zuschüsse. (Malte Kaufmann auf Facebook)

In einem weiteren Post reckt auf einem Bild eine Person einen Arm aus dem Wasser. In der Sprechblase ist zu lesen: „Hoffentlich begegnet mir jetzt kein Rettungsschwimmer von der AfD.“

Geht’s noch zynischer?
Als Migrant hätte ich allen Grund Angst zu haben einem AfD-Rettungsschwimmer zu begegnen.

Das Verbot ist richtig so

Es ist nicht vorstellbar Rettungsschwimmer aus Überzeugung und gleichzeitig Anhänger oder gar Mitglied einer rassistischen Partei wie der AfD zu sein, die nicht alle Menschen als gleichwertig betrachtet. Bei so einem Rettungsschwimmer kann man sich nie sicher sein, ob er mit gleichem Einsatz einen Menschen zu retten versucht, den er z.B. als minderwertigen Migranten einschätzt.
Daher bin ich der Meinung, AfD-Bewunderer und AfD-Mitglieder, die nicht allen Menschen dieselbe Achtung entgegenbringen, sind als Rettungsschwimmer eher nicht geeignet.


Warum die DLRG Recht hat – und warum Politiker wie Malte Kaufmann ein Risiko sind

Die Debatte um den DLRG‑Landesverband Württemberg zeigt exemplarisch, wie die AfD versucht, demokratische Gegenwehr in Opfergeschichten zu verwandeln – und warum es gefährlich ist, solchen Politikern Verantwortung zu geben. segelreporter+2

Was die DLRG Württemberg beschlossen hat – und was nicht

Der Landesverband Württemberg der DLRG hat seine Satzung 2025 so geändert, dass Personen ausgeschlossen oder gar nicht erst aufgenommen werden können, wenn sie Organisationen aktiv unterstützen, die vom Verfassungsschutz als extremistisch oder verfassungsfeindlich eingestuft werden. wuerttemberg.dlrg
Medienberichte und die Stuttgarter Zeitung fassen das so zusammen: Führende AfD‑Mitglieder und aktive Unterstützer sollen künftig nicht mehr Mitglied bei den Lebensrettern sein, weil Teile der AfD („gesichert rechtsextrem“) und die Junge Alternative im Verfassungsschutzbericht stehen.stuttgarter-zeitung

Wichtig ist: Niemand verbietet AfD‑Leuten, Menschen aus dem Wasser zu ziehen; es geht um Mitgliedschaft und Funktionen in einem Verein, der sich ausdrücklich zu Menschenwürde, Demokratie und Antirassismus bekennt. faz
Die Satzungsänderung schützt also das Profil der DLRG als humanitäre Organisation – sie verhindert, dass ausgerechnet eine rechtsextrem beeinflusste Partei dort Fuß fasst und Strukturen unterwandert. baden.dlrg

Wie Malte Kaufmann den Fall verzerrt

Der AfD‑Bundestagsabgeordnete Malte Kaufmann reagiert auf diese Entscheidung mit drastischen Bildern: „Ehrenamtliche Helfer, die Ertrinkende aus Wellen ziehen, werden nun selbst ertränkt – in einem Meer aus Ideologie!“. linkedin
In seinen Social‑Media‑Posts konstruiert er den Eindruck, die DLRG betreibe „Gesinnungsprüfungen“ und schließe „AfD‑Mitglieder pauschal aus“, verbunden mit der Forderung, staatliche Zuschüsse für die DLRG zu stoppen. afd-fraktion-bw

Parallel verbreitet die AfD‑Fraktion Baden‑Württemberg ein Sharepic, das fragt, ob „AfD‑Mitglieder künftig Ertrinkende nicht mehr retten dürfen“ – eine offenkundig falsche Zuspitzung, die Angst schüren soll. facebook+1
Rechte Portale sprechen sogar von „politischer Säuberung“ und einem angeblich „grundgesetzwidrigen“ Schritt, obwohl die Vereinsautonomie im Grundgesetz ausdrücklich geschützt ist und Vereine ihre Mitgliedschaft an demokratische Mindeststandards knüpfen dürfen. kettner-edelmetalle

Diese Kommunikation folgt einem Muster: Eine demokratische Abwehrreaktion gegen Rechtsextremismus wird in eine Mär von „diskriminierten Patrioten“ und „Gesinnungsopfern“ umgedreht. ansage
Wer so arbeitet, verteidigt nicht den Rechtsstaat, sondern versucht, ihn gegen seine eigenen Institutionen – hier: eine Hilfsorganisation – auszuspielen. faz

Worum es der DLRG tatsächlich geht: Menschenwürde statt Rassismus

Die DLRG und andere Verbände betonen seit Jahren, dass ihre Arbeit auf dem Prinzip basiert, allen Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Pass mit gleichem Einsatz das Leben zu retten. baden.dlrg
Wenn ein Landesverband sagt: „Wer aktiv eine Partei unterstützt, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft ist, passt nicht zu uns“, dann ist das keine Willkür, sondern der Versuch, diesen Grundsatz glaubwürdig zu schützen. stuttgarter-zeitung

Gerade für Menschen mit Migrationsgeschichte ist es alles andere als abstrakt, ob der Rettungsschwimmer, Sanitäter oder Polizist vor ihnen eine Ideologie unterstützt, die sie als „problematisch“, „fremd“ oder „rückführungswürdig“ markiert.
Die AfD verknüpft ihre Politik seit Jahren mit Konzepten wie „Remigration“ und spricht ganz offen von massenhafter Rückführung – ein Klima, das viele Betroffene mit berechtigter Angst erfüllt. Verlauf

Vor diesem Hintergrund ist die DLRG‑Position schlicht konsequent: Wer aktiv eine Partei unterstützt, die Menschen abwertet oder entrechten will, kann in einer Organisation, die Menschen in Not ohne Ansehen der Person retten soll, kein glaubwürdiger Repräsentant sein. faz
Es geht also nicht um Bestrafung „falscher Meinungen“, sondern um den Schutz eines humanitären Kernauftrags vor menschenfeindlicher Ideologie. stuttgarter-zeitung

Was das über Politiker wie Malte Kaufmann verrät

Der Fall zeigt, wie Malte Kaufmann Politik macht:

  • Er dramatisiert eine sachliche Satzungsänderung zur Untergangserzählung („Meer aus Ideologie“),
  • stellt eine Hilfsorganisation als politisch verirrte Akteurin dar,
  • und fordert finanzielle Strafen gegen eine zivilgesellschaftliche Struktur, die sich gegen Rechtsextremismus wehrt. segelreporter

Zugleich gehört er einer Partei an, deren Teile vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wurden und die in zentralen Programmpunkten Abschottung, Entrechtung und „Remigration“ propagiert.
In Migrationsfragen vertritt Kaufmann eine extrem selektive Linie, bei der „erwünschte“ Migrantinnen und Migranten willkommen sind, während der Rest ausgesiebt, zurückgeführt und abgeschreckt werden soll – ein Weltbild, das vielen Betroffenen signalisiert: Du bist hier nur auf Widerruf.

Wer so denkt und argumentiert, stellt sich in direkten Widerspruch zu den Grundsätzen der Menschenwürde und Gleichwertigkeit, auf denen Organisationen wie die DLRG ihre Arbeit aufbauen. baden.dlrg
Dass Kaufmann daraus kein Problem für seine Partei macht, sondern ein Problem der DLRG, sollte allen zu denken geben, die überlegen, ihm ihre Stimme zu geben. linkedin

Warum diese Geschichte für deine Wahlentscheidung wichtig ist

An der Auseinandersetzung um die DLRG Württemberg kann man exemplarisch erkennen, wie AfD‑Politiker*innen mit Konflikten umgehen:
Statt ehrlich über Rechtsextremismus im eigenen Lager zu reden, greifen sie diejenigen an, die Haltung zeigen. ansage+1
Statt demokratische Institutionen zu stärken, delegitimieren sie sie – ob es sich um Gerichte, Parlamente, Medien oder eben Rettungsorganisationen handelt.

Wer Politik so versteht, sollte keine Verantwortung für ein demokratisches Gemeinwesen bekommen, das auf Vertrauen, Rechtsstaatlichkeit und der gleichen Würde aller Menschen beruht.
Wenn eine Partei schon bei der DLRG nicht akzeptieren kann, dass rassistische Ideologien mit Lebensrettung unvereinbar sind, wie wird sie erst handeln, wenn sie mehr Einfluss auf Polizei, Justiz oder Schule erhält? stuttgarter-zeitung+1

Darüber nachzudenken, bevor man ein Kreuz bei der AfD oder bei Personen wie Malte Kaufmann macht, ist kein „Meer aus Ideologie“ – sondern gesunder Selbstschutz einer demokratischen Gesellschaft.


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