Neuer Kreuzzug in Bayern

Veröffentlicht von

Vor allem dort, wo das alte noch nicht völlig verblasst ist, kann es gefährlich werden neue Kreuze aufzuhängen, lieber Söder.

Vielleicht sollten die Christen nach 2000 Jahren mal grundsätzlich über ein neues Logo nachdenken anstatt weiter auf das Kreuz, ein Werkzeug der Hinrichtung und Unterwerfung zu setzen. Die Franzosen haben nach der Revolution ja auch nicht das Schafott als Symbol des Aufbruchs gewählt sondern Marianne mit der Freiheitsfahne.

Quelle des Featurebildes: „Kreuz im Schafott – Sr. Restituta 30. März 1943“ – Ernst Degasperi (Foto: F. J. Rupprecht)

 

 

11 Kommentare

  1. Interessant, dass ich mal mit meinen Brüdern über so ein abgefahrenes Thema diskutieren würde, hätte ich nicht gedacht. Ich kann alle bisherigen Argumente unterschreiben. Als ich in Bruckberg Vikarin war hat Philipp mit 4 Jahren mir schonungslos die Augen geöffnet. Beim Anblick des riesigen Kreuzes mit Körper sagte er: “Was soll der mir helfen, der ist doch tot.” Ein Satiriker meinte zur bayerischen Identität könnte man auch eine Lederhose, Dirndl, Brezn oder Bierkrug aufhängen, das wäre bayerischer.
    Meine größte Sorge ist allerdings, dass solche Verhaltensweisen wie von Söder einen abstumpfenden Effekt haben könnten, die dann einen Wahlkampf á la Trump ermöglichen. Könnte sein, dass Söder schon längst von der Öffentlichkeit unbemerkt seine Gefolgsleute in Stellung gebracht hat, siehe Dobrindt und Steuer.
    Insgesamt fand ich die Empörung über den Kreuzzug ziemlich schwach und eigentlich sollten täglich Protestmärsche gegen die Absichten der Regierung zumn Thema Innen- und Sicherheitspolitik auf die Straße gehen.

  2. Ich finde die Aussagen von Johannes sehr wohltuend und würde heute noch Mitglied einer Kirche sein, wenn die Meinung dort auch gelebt werden würde.
    Zum Thema Kreuze in Behörden: Mir ist völlig unklar, warum das Kreuz unsere Kultur darstellen sollte, es wäre nur traurig, wenn wir dies nicht anders zum Ausdruck bringen könnten!

  3. Behörden, Schulen, Unis sind für alle Menschen einer Bevölkerung da. Da gehören keine Symbole einer einzigen Religionsgemeinschaft hin. Dafür ist keinerlei Spielraum. Die Zeit, in der der Staat oder andere Obrigkeiten seinen Bürgern vorschreiben darf, welche Bilder und Symbole er aufzuhängen hat oder ertragen soll, ist hoffentlich endgültig vorbei. Ich kann mich noch erinnern, wie Erwachsene mir vorschreiben wollten, welche Länge mein Haar haben darf, welche Schuhe o.k. sind, dass Mädchen gefälligst nur mit Rock das Haus verlassen dürfen usw. Da muss man nicht drüber diskutieren. Wer dahin zurück will, der sollte mit erbittertem Widerstand rechnen müssen.

    Kreuze gehören in die Kirche von mir aus. Religiöse Symbole gehören auch nicht in die Schule. Die ist genauso zur Neutralität verpflichtet.
    Ob das Kreuz das richtige Symbol für die Christenheit ist, kann man diskutieren. Da kann man durchaus unterschiedliche Positonen vertreten. Aber das soll bitte eine innerkirchliche Diskussion bleiben und darf nicht in die Amtsstuben getragen werden.

  4. Wir diskutieren über 2 Themen in einem:
    1. Ist das Kreuz ein adäquates Symbol für das Christentum?
    2. Sollte man ein christliches Symbol in einer Behörde o.ä. aufhängen?
    Wenn wir das weiter mischen, wird am Schluss ein unlösbares Entwirrspiel daraus!

  5. In der Bibel ist das Kreuz nicht vorgesehen. Es war ein Betriebsunfall. Jesus wollte nicht von seinen Gegnern gekreuzigt werden. Wenn die Römer ihn nicht ermordet hätten, wäre er nicht am Kreuz gestorben. Die Botschaft weist über das Kreuz hinaus. Die Kirche aber bleibt beim Kreuz stehen. Das offene Grab wäre das entscheidende Symbol. Die Himmelfahrt. Das Wasser und die Taufe, die Fische als Ursprung des Lebens. Es gbit hunderte von Symbolen, die eine größere Bedeutung haben für das Christentum als das unchristliche von den Römern stammende Mordinstrument des Kreuzes.

  6. Mit dem Kreuz als Symbol verbinde ich einzig und allein das Christentum zusammen mit der Bibel. Es ist offensichtlich sehr individuell und subjektiv, wie dieses Symbol empfunden wird. Abartige und grausame Entgleisungen wie die Kreuzzüge sind für mich kein Grund, das Christentum mitsamt seinen Symbolen (dazu gehört u.a. auch das Lamm) abzulehnen. BMW hat für Hitler und den 2.WK jede Menge Flugzeugmotoren gebaut, Lufthansa hat seine JU52‘s im Krieg fliegen lassen. Ich würde trotzdem nicht auf die Idee kommen, keinen BMW mehr zu kaufen (ohne BMW-Zeichen), oder mit Lufthansa zu fliegen.
    Dass der Söder und seine CSU (die ich im Übrigen „Beide“ nicht mag, um das mal klarzustellen) das Kreut als Wahlkampfmittel verwenden, ist natürlich ziemlich bescheuert —- oder vielleicht sogar diabolisch-genial im Sinne von Göppels??? Es ist Demagogie pur, Volkspropaganda. Wer darauf reinfällt, der hatte auch vorher schon verloren. Mein letzter Kommentar sprach sich völlig unabhängig von Söder&Co dafür aus, selbstverständlicher zu den Symbolen zu stehen, die uns geprägt haben. Ob gläubig, andersgläubig oder nichtgläubig: unsere Verfassung und die Gesetze basieren auf Aussagen der Bibel. Ob in 1.Ableitung oder 8.Ableitung. Ich empfände es pubertär, nur deshalb gegen das Hängen eines Kreuzes in einer Behördd zu sein, weil die CSU das will. Diese subtile Art von Schubladen lehne ich seit einiger Zeit bewusst ab. (Ich glaube, dies war auch die Grundlage für „WerdieWahlhat“).

  7. Vielleicht sollten die Christen nach 2000 Jahren mal grundsätzlich über ein neues Logo nachdenken anstatt weiter auf das Kreuz, ein Werkzeug der Hinrichtung und Unterwerfung zu setzen. Die Franzosen haben nach der Revolution ja auch nicht das Schafott als Symbol des Aufbruchs gewählt sondern Marianne mit der Freiheitsfahne.

  8. Sorry, das Symbol des Kreuzes ist ein Symbol des Todes, der Folter und der Vernichtung. Kein Mensch sollte gezwungen werden, sich diesem Symbol auszusetzen. Ich wurde als Kind ohne zu Fragen unter diesem Symbol getauft. Es gehört nicht zu meinem Wunschsymbol. Ein Symbol der Freiheit, der Auferstehung und des Lebens und des Friedens und der Liebe wäre mir lieber. Wer definiert denn unsere Kultur. Doch nicht das Kreuz.
    Der Stern der Juden auch der Halbmond der Muslime ist vielsagender. Unter dem Kreuz wurden Kiege geführt, Kreuzzüge mit dem Ziel ganze Kulturen zu vernichten. Das ist weiß Gott kein vorbildliches Symbol. Unter den anderen Symbolen wurden freilich auch Kriege geführt. Daher sollte der Staat hier sich lieber neutral verhalten und die Glaubenssymbole den Religionen und den Kirchen überlassen. Ich bin bereit mich für die Konvention der Menschenrechte ins Zeug zu legen. Die sind überkonfessioneller Konsens.

  9. Wahlkampf um jeden Preis unf mit allen Mitteln ohne Rücksicht auf Kollateralschäden – unmöglich dieser Söder mitsamt der CSU!!
    Hoffentlich sind die Wähler in Bayern nicht mehr ganz so rückständig wie Söder ind die CSU…

  10. Mag die CSU irgendwelche nicht edlen Ziele verfolgen mit Ihrer Kreuz-Kampagne: Ich empfinde die Entscheidung für das Aufhängen eines Kreuzes völlig korrekt. Wo bleibt unser Selbstverständnis und unser Bezug zur eigenen gesellschaftlichen Geschichte, wenn wir nicht mal zu solchen einfachen Symbolen stehen ? Ich finde es zum Würgen, mit solchen (meinen) Äußerungen sofort in eine Ecke gestellt zu werden. Das Kreuz entspricht symbolisch nun mal einfach und ergreifend unserer Herkunft. Unser gesamter Wertekanon ist darauf aufgebaut, ob sich nun einer christlich, nicht-christlich, gläubig oder nicht-gläubig nennen mag. Warum sollten wir uns daran stören ? Diese ewige Angst, sich für eigene Werte und Symbole zu schämen, ist so schrecklich deutsch, dass es manchmal schon weh tut ! Und —- NEIN : ich bin nicht Afd-Anhänger, kein Rechter-Rand-Wähler oder dergleichen…

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.